«SonntagsZeitung» von 3.2006, Seite 3

Bundesamt: Oben belohnen, unten sparen


Der Staatssekretär für Bildung und Forschung demotiviert sein Personal



BERN
  Im Staatssekretariat für Bildung und Forschung ( SBF) machen sich Frust und Unruhe breit. Während Angestellten in unteren Chargen die Löhne gekürzt werden, geniesst ein Vizedirektor grosszügige Zuwendungen. Letztere wären kaum zum Thema geworden, wenn nicht elf Beschäftigte vor Weihnachten die Kündigung erhalten hätten – und gleichzeitig einen neuen, schlechter dotierten Vertrag. Wie etwa Rosemarie Imholz: Sie sollte trotz guter Zeugnisse um drei Lohnstufen zurückversetzt werden. « 800 Franken weniger im Monat, und das ohne vorgängige schriftliche Information; ich bin sehr  frustriert. » Zudem fühlte sich Imholz wie die anderen doppelt bestraft, denn Zurückgestufte haben kein Anrecht auf die Jahreszulage von 1,9 Lohnprozenten. Staatssekretär Charles Kleiber, Chef des SBF, begründet die Lohnkürzungen mit der Neueinreihung der Stellen: « Jede wurde überprüft – im Jahr 2004 auch die Kaderstellen. » Trotzdem sitzt der Frust tief, und deshalb stösst die Sonderbehandlung, die Kleiber einem seiner Vizedirektoren angedeihen lässt, umso mehr auf. Marc Bertschi leitet den Bereich Raumfahrt im SBF, zum Teil in Bern, zum Teil in Paris als Delegierter des Bundes bei der Raumfahrtbehörde Esa. In den Jahren 2001/ 02 war er Angestellter der Esa und nahm dafür unbezahlten Urlaub.


Staatssekretär Kleiber hält den Vizedirektor für unersetzlich



Bertschi profitierte davon, dass Kleiber ihn für unersetzlich hält. So bezahlte ihm der Bund bei seinem Esa- Abstecher weiterhin Mietgeld – bis das Aussendepartement das Geld zurückverlangte. Nicht etwa Bertschi bezahlte die 40 000 Franken, sondern der Bund – auf Verfügung von Amtsvorsteher Kleiber. Oder: Bertschi bezahlte nach seiner Rückkehr zum Bund nur die Hälfte des Pensionskassenbetrags. Für die  anderen 30 000 Franken war erneut der Bund beziehungsweise Kleiber besorgt, wie dieser bestätigt. Dafür gibt es rechtlich aber keine Grundlage. « Ich bin Verbindlichkeiten in Bezug auf Entschädigungen an Bertschi eingegangen. Die teilweise Übernahme von Beiträgen und Spesen ist eine Konsequenz daraus » , räumt der Staatssekretär ein. Näheres zur Vereinbarung, die Kleiber und Bertschi am 28. September 2001 getroffen haben, ist nicht zu erfahren.

Als Ende 2005 weitere 20 000 Franken Spesen « für aussergewöhnliche Leistungen » an Bertschi überwiesen wurden, begann es im SBF zu gären. Kleiber zeigt « Verständnis » für den Ärger der Mitarbeitenden, aber: « Ich wollte Bertschi als erstklassigen Fachmann um jeden Preis der Schweiz erhalten » , sagt er. Es brauchte den Druck der Gewerkschaft VPOD, damit die SBF-Leitung auch gegen unten etwas Goodwill zeigte. Die Jahreszulage wird nun doch allen Betroffenen ausbezahlt – laut Kleiber « angesichts der schwierigen internen Situation » . VPOD-Sekretär Christof Jakob findet das Vorgehen wie etwa im Fall Imholz trotzdem « personalpolitisch absurd, weil es demotivierend ist » . Rosemarie Imholz hat inzwischen von sich aus gekündigt.  CHRISTOPH LAUENER

 

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