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Bundesamt: Oben
belohnen, unten sparen
Der Staatssekretär für Bildung
und Forschung demotiviert sein
Personal
BERN Im Staatssekretariat für
Bildung und Forschung ( SBF) machen sich Frust und Unruhe breit.
Während Angestellten in unteren Chargen die Löhne gekürzt werden,
geniesst ein Vizedirektor grosszügige Zuwendungen. Letztere wären
kaum zum Thema geworden, wenn nicht elf Beschäftigte vor Weihnachten
die Kündigung erhalten hätten – und gleichzeitig einen neuen,
schlechter dotierten Vertrag. Wie etwa Rosemarie Imholz: Sie sollte
trotz guter Zeugnisse um drei Lohnstufen zurückversetzt werden. «
800 Franken weniger im Monat, und das ohne vorgängige schriftliche
Information; ich bin sehr frustriert. » Zudem fühlte sich
Imholz wie die anderen doppelt bestraft, denn Zurückgestufte haben
kein Anrecht auf die Jahreszulage von 1,9 Lohnprozenten.
Staatssekretär Charles Kleiber, Chef des SBF, begründet die
Lohnkürzungen mit der Neueinreihung der Stellen: « Jede wurde
überprüft – im Jahr 2004 auch die Kaderstellen. » Trotzdem sitzt der
Frust tief, und deshalb stösst die Sonderbehandlung, die Kleiber
einem seiner Vizedirektoren angedeihen lässt, umso mehr auf. Marc
Bertschi leitet den Bereich Raumfahrt im SBF, zum Teil in Bern, zum
Teil in Paris als Delegierter des Bundes bei der
Raumfahrtbehörde Esa. In den Jahren 2001/ 02 war er
Angestellter der Esa und nahm dafür unbezahlten
Urlaub.
Staatssekretär Kleiber hält den Vizedirektor
für unersetzlich
Bertschi profitierte davon, dass
Kleiber ihn für unersetzlich hält. So bezahlte ihm der Bund bei
seinem Esa- Abstecher weiterhin Mietgeld – bis das Aussendepartement
das Geld zurückverlangte. Nicht etwa Bertschi bezahlte die 40 000
Franken, sondern der Bund – auf Verfügung von Amtsvorsteher Kleiber.
Oder: Bertschi bezahlte nach seiner Rückkehr zum Bund nur die Hälfte
des Pensionskassenbetrags. Für die anderen 30 000 Franken war
erneut der Bund beziehungsweise Kleiber besorgt, wie dieser
bestätigt. Dafür gibt es rechtlich aber keine Grundlage. « Ich bin
Verbindlichkeiten in Bezug auf Entschädigungen an Bertschi
eingegangen. Die teilweise Übernahme von Beiträgen und Spesen ist
eine Konsequenz daraus » , räumt der Staatssekretär ein. Näheres zur
Vereinbarung, die Kleiber und Bertschi am 28. September 2001
getroffen haben, ist nicht zu erfahren.
Als Ende 2005 weitere
20 000 Franken Spesen « für aussergewöhnliche Leistungen » an
Bertschi überwiesen wurden, begann es im SBF zu gären. Kleiber
zeigt « Verständnis » für den Ärger der Mitarbeitenden, aber: «
Ich wollte Bertschi als erstklassigen Fachmann um jeden Preis der
Schweiz erhalten » , sagt er. Es brauchte den Druck der Gewerkschaft
VPOD, damit die SBF-Leitung auch gegen unten etwas Goodwill zeigte.
Die Jahreszulage wird nun doch allen Betroffenen ausbezahlt – laut
Kleiber « angesichts der schwierigen internen Situation » . VPOD-Sekretär
Christof Jakob findet das Vorgehen wie etwa im Fall
Imholz trotzdem « personalpolitisch absurd, weil es demotivierend
ist » . Rosemarie Imholz hat inzwischen von sich aus
gekündigt. CHRISTOPH LAUENER |